Frühgeborenenscreening
Anamnese
Frühgeborenes geboren in der 23. Schwangerschaftswoche (22+6) mit einem Geburtsgewicht von 435 Gramm.
Systemische Erkrankungen: Respiratory distress syndrom, Anämie, Hyperglykämie, Hyperbilirubinämie
Die Erstuntersuchung erfolgte in der 4. Lebenswoche, danach wöchentliche Untersuchungen im Rahmen des Frühgeborenenscreenings (ROP-Screening)
Klinischer Befund
| Spaltlampe | |
|---|---|
| Lider | unauffällig |
| Bindehaut/Sklera | unauffällig |
| Hornhaut | unauffällig |
| Linse | unauffällig |
| Fundusuntersuchung in Mydriase | |
|---|---|
| OD | Leiste mit Blutungen sowie Gefäßtortuositas (Plus-Zeichen) |
| OS | Leiste mit Blutungen sowie Gefäßtortuositas (Plus-Zeichen) |
Diagnose und Diskussion
Definition:
Die Frühgenorenenretinopathie, auch Retinopathia praematurorum (RPM) genannt, ist eine Erkrankung der Netzhaut die bei Frühgeborenen auftritt. Durch eine Frühgeburt und unvollständige Reifung der Netzhautgefäße kann es zu anomalem Wachstum der Blutgefäße und Netzhautschädigung kommen. Faktoren, die in der Entstehung der RPM eine Rolle spielen sind ein niedriges Geburtsgewicht (<1500g) und Schwangerschaftswoche (<30.SSW) bei Geburt sowie die künstliche Beatmung mit erhöhtem Sauerstoffanteil. Die Häufigkeit der RPM variiert je nach Land/ Region, Zugang zum Gesundheitssystem sowie nach Zugang zu geeigneten Screeningmethoden. Die Frühgeborenenretinopathie (ROP) ist global gesehen eine der häufigsten Ursachen für Erblindung im Kindesalter.
Die diagnostischen Kriterien sind definiert durch die Lokalisation (Zone), Schwere (Stadium) und vaskuläre Charakteristika (normal, pre-plus, plus Zeichen)
Lokalisation (Zone)
•Zone I: Kreis um die Papille mit dem doppelten Papillen-Fovea-Abstand.
•Zone II: Bereich peripher zu Zone I bis zu einem Kreis um die Papille, der nasal die Ora serrata einschließt.
•Zone III: peripherer retinaler Restareal
Disease Severity (Stage)
•Stadium 1: dünne Demarkationslinie zwischen peripherer avaskulärer und zentraler vaskularisierter Netzhaut
•Stadium 2: zunehmende Ausdehnung der Demarkationslinie in Breite und Höhe.
•Stadium 3: zusätzliche Gefäßneubildungen mit Ausdehnung in den Glaskörper
•Stadium 4a: traktive Abhebung der peripheren Netzhaut, Makula anliegend.
•Stadium 4b: traktive Abhebung der peripheren Netzhaut, Makula abgehoben.
•Stadium 5: totale traktive Netzhautabhebung mit Ausbildung eines zentralen Netzhauttrichters. Je nach Konfiguration des Trichters können weitere Untergruppierungen vorgenommen werden.
Diagnose und Imaging:
Nach Pupillendilatation wird die Netzhaut mittels indirekter Ophthalmoskopie untersucht. Die Frühgeborenen werden wöchentlich oder zweiwöchentlich auf das Vorliegen einer Frühgeborenenretionpathie untersucht.
Bei Vorliegen einer Frühgeborenenretinopathie Stadium III Funduskamera (100° Weitwinkelaufnahmen) zur Dokumentation und nach Behandlung für Verlaufskontrollen.
Prävention und Therapie:
Die Therapie sollte so bald als möglich (idealerweise innerhalb von 72 Stunden) erfolgen.
Laserkoagulation
Laserkoagulation wird empfohlen für:
Zone I: jedes Stadium der RPM mit Pluszeichen oder Stadium 3 RPM ohne Pluszeichen
Zone I: Stadium 3 RPM ohne Pluszeichen
Zone II: Stage 2 oder 3 RPM mit Pluszeichen
Anti-Vascular endothelial growth factor (anti-VEGF) Medikamente
Anti-VEGF Therapie wird empfohlen für Stadium 2 RPM mit Pluszeichen in Zone I
Prognose und Komplikationen:
Komplikationen: Netzhautablösung oder Makulafalten, Myopie, Strabismus, Amblyopie, Anisometropia
Prognose: Gutes Outcome nach der Behandlung mittels Laserkoagulation und anti-VEGF. Wenn es durch Progression der RPM zur Netzhautablösung kommt ist die Prognose eingeschränkt.